Bauern als Klimaretter

Sepp Braun über die bäuerliche Landwirtschaft der Zukunft


 

Klima- und Hochwasserschutz, biologische Vielfalt, Gesundheit: laut Sepp Braun alles Themen, bei denen die Bauern entscheidend zur Problemlösung beitragen können. Gut 60 Bauern folgten am 10.12. in der Katholischen Landvolkshochschule Petersberg den Ausführungen von Sepp Braun aus Dürneck bei Freising über die gesellschaftliche Bedeutung der Landwirtschaft. Der Biobauer stellte seinen Hof vor und damit verbunden gleichzeitig seine Vorstellung von einer zukunftsfähigen bäuerlichen Landwirtschaft. Diese kann ihre Bedeutung für die Gesellschaft über die Produktion von Nahrungsmitteln hinaus durch die vielfältige Nutzung natürlicher Mechanismen noch wesentlich steigern. So könne die Landwirtschaft ihr Image vom Klimakiller zum Klimaretter wenden.

Die Böden als Grundlage der Fruchtbarkeit sind Sepp Braun ein Herzensanliegen. Gegen die hohe Belastung der Böden durch schwere Maschinen forderte er eine Regelung im Bodenschutzgesetz. Ansonsten setzt er auf natürliche Vorgänge, insbesondere die Arbeit der Regenwürmer. In tiefgründigen Ackerböden fänden sich bis zu 600 Würmer pro Quadratmeter, die 280 kg Stickstoff je Hektar und Jahr pflanzenverfügbar machten. Sie sorgten auch für einen wirksamen Hochwasserschutz: durch das Wurmröhrenvolumen von bis zu 13.000 cm³ je m² hat Braun auf seinen Äckern bei den Starkregen in diesem Frühjahr 150 l Versickerung auf einem Quadratmeter gemessen. Möglich wird das durch eine vielfältige Fruchtfolge mit hohem Kleegrasanteil, Untersaaten und schonender (pflugloser) Bodenbearbeitung. Die Böden sind für den begeisterten Ackerbauern auch ein Schlüsselfaktor beim Klimaschutz. Eine Erhöhung des Humusgehaltes im Boden macht diesen nicht nur lebendiger und fruchtbarer, sondern bindet riesige Mengen Kohlendioxid.

Bei den Böden wie auch im gesamten Betrieb geht es Sepp Braun darum die Wechselwirkungen zwischen Pflanzen, Tieren und ihrer Umwelt zu berücksichtigen und in die Wirtschaftsweise zu nutzen. Neueste Forschungsergebnisse helfen ihm dabei ebenso wie traditionelles Wissen aus verschiedenen Kulturkreisen. Die Hecken zwischen seinen Äckern und Wiesen sind nicht nur (dringend benötigte) Lebensräume für Vögel, Insekten und andere Tiere. Sie bieten Laubfutter für die Gesundheit der Kühe und die tief wurzelnden Gehölze schliessen Nährstoffe in tiefen Bodenschichten auf. Im Holzvergaser liefert das Hackgut Energie und Holzkohle, die über den Mist wieder die Bodenfruchtbarkeit fördert.

Der Optimist aus Dürneck behält dabei einen offenen Blick für globale Probleme und versucht in Zusammenhängen denkend  auf seinem Betrieb lokal Lösungsansätze zu entwickeln. Diese Haltung und die daraus entstehenden Ideen beeindruckten und inspirierten die Zuhörer am Petersberg .