Mit Leidenschaft Mensch sein - Skulpturenweg am Petersberg

Anlässlich der Feierlichkeiten zum 900-jährigen Bestehen der Basilika entstand im Jahr 2007 der Skulpturenweg „Mit Leidenschaft Mensch sein“ durch den Petersbergwald.

Die aus verschiedensten Materialien geschaffenen Werke sollen den Betrachter aus dem Alltag heraus führen und zum Innehalten einladen. Mit den Skulpturen an den acht Stationen - Wandlung und Übergänge,  Neubeginn, Verletzung – Heilung, Entscheidung, Begegnung, Abschied und Tod, Heimat, Sehnsucht  - geschieht keine enge Festschreibung. Sie bieten dem Betrachter die Möglichkeit Verbindung zu schaffen, geben Impulse für die Wahrnehmung eigener Gefühle und öffnen für Wandlungs-Prozesse.

Der Weg findet sein Ziel in der Basilika am Petersberg. Hier verbinden sich tragfähige traditionell christliche Werte mit zeitgemäßen Ausdrucksformen der Spiritualität.

Wandel

Der Skulpturenweg beginnt mit dem elementaren Thema „Wandel“. Dabei nimmt der „Skulpturen-Weg-Wandler“ aus dem Drahtkorb einen Stein mit. Dieser steht für die Schöpfung und drückt zugleich aus, dass Wandlungsprozesse der Zeit und auch der Geduld bedürfen. Derjenige, der diesen Weg geht, nimmt so einen Stein auch als Symbol für sich selbst mit. Er lässt sich auf die einzelnen Stationen des Weges zum Gesamtthema „Mit Leidenschaft Mensch sein“ ein und spürt, wo sich in seinem Leben Wandlungs- und Veränderungsprozesse ereignet haben. Das Mosaik erinnert an den Fischer Petrus, in dessen Leben tiefgreifende Veränderungen geschahen.

Der Fisch im Mosaik an dieser Station steht auch für die ersten Christinnen und Christen, die sich in Katakomben verbergen mussten, um sich zur Feier der Eucharistie treffen zu können. Dabei ist der Fisch das nur ihnen bekannte Geheimzeichen. Die griechischen Buchstaben ICHTYS stehen für Jesus Christus, den Erlöser der Welt.




Neubeginn

Aus Ahornholz ist das absterbende Samenkorn oder auch die aufbrechende Erde geformt. Es ist ein Teil des Stammes aus dem Heimatgarten des Künstlers. Seine ursprüngliche Heimat ist vergangen. Wegen der Flucht der Eltern musste er auf fremder Erde ganz neu anfangen. Aber das Gehen aus der Heimat, das Zurücklassen des Vergangenen ist zur Quelle für etwas ganz Neues, beständiges und damit Unvergängliches geworden. „Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, bleibt es allein; wenn es aber stirbt, bringt es reiche Frucht.“ - Die Vergänglichkeit wird zum Boden und zur Nahrung für neu erwachendes Leben. Kraftvoll verankert und beschützt, öffnet sich das aufkeimende Pflänzchen fruchtbringenden Prozessen. 




Verletzung und Heilung

Die beiden Stationen gehören auf das Engste zusammen. Es gibt in Lebensgeschichten von Menschen grundsätzlich Verletzungen, Nadelstiche oder gar tiefe Einschnitte. Mancher zerplatzte Traum, manche irrige Vorstellung vom anderen oder von sich selbst, ja ab und zu sogar ein Mensch, der Nerven kostet, verursachen Herzverwundungen. Steht man vor der Skulptur Verletzung, hat man die Heilung mit ihren spiralförmig angebrachten Halbedelsteinen bereits im Blick. „Aus Wunden werden Perlen“ - so die Worte der Heiligen Mystikerin Hildegard von Bingen. Zwischen beiden Figuren liegt ein kurzer Weg, symbolhaft dafür, dass es zwischen Verletzungs- und Heilungserfahrung Schritte bedarf. 




Begegnung

„Alles wirkliche Leben ist Begegnung.“ - so Martin Buber. Menschliche Begegnung wird dargestellt durch zwei mit Steinköpfen versehene Baumstämme. Von  unterschiedlichen Standpunkten aus betrachtet, offenbaren sich unterschiedliche Begegnungsszenen. Einmal ist mehr Nähe wahrnehmbar, ein anderes Mal überwiegt die Distanz, von Umarmung bis zur Zurückweisung, alles hat in dieser Skulptur seinen Platz.

Das Mosaik am Boden zeigt durch die Beschaffenheit und die Farbe der Steine sowohl die Eigenständigkeit jeder einzelnen Persönlichkeit als auch die Geborgenheit in einem großen Ganzen.

Mit der Größe der gepflasterten Fläche eröffnet sich die Möglichkeit, dass Menschen sich dazu gesellen, sich wahrnehmen, teilhaben und an der Begegnung mitgestalten.




Entscheidung

Entscheidungen kennzeichnen das Leben. Es geht bei dieser Skulptur darum, immer wieder neu und „entschieden“ im Vertrauen auf Gott durch Türen zu gehen. Manchmal sind die Menschen bei ihren kleinen und größeren Entscheidungsprozessen gehemmt oder auch zu schnell. Deswegen diese Mauer, sie kennzeichnet die Zeit, die wir brauchen, um inne zu halten, damit die Entscheidungen auch durchgetragen werden können und für alle Betroffenen zum Segen werden.




Abschied

Abschied gehört unweigerlich zum Leben. Der Gesichts- und der Mundausdruck, ja der ganze Kopf dieser Tonskulptur künden von einem Einbruch ins Leben. Das Licht im Hinterkopf verweist auf die durch Christus zugesagte Hoffnung. Manchmal brennt es, manchmal ahnt man, dass es so ein Licht gibt, manchmal ist es nur mehr leicht flackernd, manchmal hat man gar das Gefühl, es ist ganz erloschen. Was das Licht in der freien Natur macht, ist symptomatisch für die Erfahrung, die ein betroffener Mensch erfährt.

Es ist eine Station, die Raum lässt, ganz persönliche Abschiedserfahrungen bewusst zu gestalten - wenn ich einen Verlust zu beklagen habe, wenn ich etwas loslassen will oder muss.




Trauerstelen

Auf Anregung des Hauses Petersberg stehen seit dem Jahr 2011 gegenüber dieser Skulptur Gedenk-Stelen für Verstorbene ohne oder mit fernem Trauerort. Wer hier Namen eintragen lassen will, melde sich bitte im Büro der Landvolkshochschule.




Heimat

In einer Zeit, in der ungeheure Anforderungen die Menschen von Ort zu Ort treiben, suchen und sehnen sie sich nach einem Ort der Geborgenheit, nach Heimat. Diese findet sich häufig nicht mehr an einem realen Platz. Die Tonskulptur bündelt zeichenhaft ein inneres Lebensgefühl von Heimat. Die Hand symbolisiert die menschliche Geborgenheit, der Wurzelstock die Verwurzelung und die Weltkugel die Offenheit und Freiheit. Das stilisierte Laubdach weist auf die Durchlässigkeit des göttlichen Schutzes hin. Von Gottes Liebe berührt, lässt sich Heimat als innerer Prozess immer wieder neu gestalten. 




Sehnsucht

„Unruhig ist unser Herz, bis es Ruhe findet in dir, o Gott.“ - so Augustinus.

Im Spannungsfeld von Suchen und sich gesucht wissen sehnt sich der Mensch nach der Vollendung seines Menschseins im Einswerden mit Gott. Das göttliche und menschliche aufeinander ausgerichtet sein symbolisiert sich in der harmonischen Ton-Skulptur durch eine runde und eine flammenförmige Glasscheibe. Wenn die Sonne durch das Glas strahlt, ist der Moment der Begegnung zwischen Gott und dem Menschen als ganz besonderes Geschehnis zu erahnen. 




Übergänge

Die letzte Station kennzeichnen Stufen und Schwellen. Der Mensch geht über Schwellen – tagtäglich, lebenslänglich ... um sich den Wandlungen in den Lebensprozessen anzunähern, braucht es das Ereignis des Übergangs. Wenn wir über die Schwellen treten, dann erreichen wir die Höhe der Basilika am Petersberg und betreten das Mosaik mit den gekreuzten Petrus-Schlüsseln. Petrus steht hier beispielhaft für die Veränderungs- und Wandlungsprozesse – vom einfachen Fischer zum Menschenfischer, dem Jesus die Binde- und Lösegewalt zugesprochen hat.  Es geht um Freiheit und Bindung, um Freiräume und Grenzen, um Fördern und Fordern. Diesen Auftrag haben wir alle bekommen.